674. An Schiller

Weimar, den 26. Oktober 1799

Ihr Brief, werthester Freund, hat mich auf das unangenehmste überrascht. Unsere Zustände sind so innig verwebt daß ich das was Ihnen begegnet an mir selbst fühle. Möge das Übel sich bald in’s Bessere wenden, und wir wollen die unvermeidlichen Folgen zu übertragen suchen.

Ich würde Sie gleich besuchen, wenn ich nicht gegenwärtig von so vielerlei Seiten gedrängt wäre. Ohne Ihnen hülfreich seyn zu können, würde ich in Jena mich nur unruhig fühlen, indem hier so manches Geschäft an meine Mitwirkung Anspruch macht.

Ich wünsche nichts sehnlicher, als bald etwas Tröstliches von Ihnen zu hören. Möge nur nicht auch Ihre Gesundheit bei diesen Umständen leiden! Schreiben Sie mir doch auch zwischen den Botentagen, wenn Sie Gelegenheit finden.

G.

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