363. An Schiller
Frankfurt, den 24. August 1797
Ich will Ihnen doch noch von einer Arbeit sagen die ich angefangen habe, und die wohl für die Horen seyn wird. Ich habe gegen zweihundert französische satyrische Kupfer vor mir; ich habe sie gleich schematisirt und finde sie gerichtet:
- Gegen Fremde.
- England.
- Den Papst.
- Österreich.
- Gegen Einheimische.
- Das alte Schreckensreich.
- Modefratzen.
- In ihrer Übertriebenheit dargestellt.
- In Verhältnissen unter einander.
- In Verhältnissen zu veralteten Fratzen.
- In Finanz- oder andern politischen Verhältnissen.
- Gegen Künstlerfeinde.
Ich fange an sie nun einzeln zu beschreiben und es geht recht gut; denn da sie meist dem Gedanken etwas sagen, witzig, symbolisch, allegorisch sind, so stellen sie sich der Imagination oft eben so gut und noch besser dar als dem Auge, und wenn man eine so große Masse übersehen kann, so lassen sich über französischen Geist und Kunst, im allgemeinen, recht artige Bemerkungen machen, und das Einzelne, wenn man auch nicht Lichtenbergisiren kann noch will, läßt sich doch immer heiter und munter genug stellen, daß man es gerne lesen wird. In der Schweiz finde ich gewiß noch mehr, und vielleicht auch die frühern. Es würde daraus ein ganz artiger Aufsatz entstehen, durch welchen das Octoberstück einen ziemlichen Beitrag erhalten könnte. Im Merkur und Modejournal und anderswo sind schon einige angeführt, die ich nun in’s Ganze mit hereinnehme. Ich hoffe daß sich von dieser oder ähnlicher Art noch manches auf der Reise finden wird, und daß ich vom October an wieder mit tüchtigen Beiträgen werde dienen können; denn eigentlich muß man sich’s nur vornehmen, so geht es auch. Der gegenwärtige Almanach macht mir doppelt Freude, weil wir ihn doch eigentlich durch Willen und Vorsatz zu Stande gebracht. Wenn Sie Ihre dichterischen Freunde und Freundinnen nur immerfort aufmuntern und in Bewegung erhalten, so dürfen wir uns künftiges Frühjahr nur wieder vier Wochen zusammensetzen und der nächste ist auch wieder fertig.
Leben Sie recht wohl und schreiben mir oft und viel. Mein Koffer ist nach Stuttgart fort, und wenn das Wetter, das diese letzte Zeit regnigt, kalt und trüb war, sich wie es scheint, wieder aufheitert, so lasse ich gleich anspannen. Durch die Bergstraße möcht’ ich freilich an einem recht heitern Tag.
G.