109. An Schiller

Eisenach, 13. Oktober 1795

Noch bin ich hier und werde wohl noch erst abwarten, was aus den Dingen werden will, eh ich meine Reise weiter fortsetze.

Die Österreicher sind wieder über den Main herüber und umgeben Frankfurt, und vielleicht ist es zwischen ihnen und den Franzosen schon zur Schlacht gekommen. In ein solches Gewirre möchte ich von heiler Haut mich nicht hineinbegeben, da ich dergleichen anmutige Situationen schon kenne. Meinen hiesigen, stillen Aufenthalt habe ich gleich benutzt, umd Madame de Stael völlig zu übersetzen und mitunger zu versetzen. Eine weibliche Methode und die französische Spache machten mir viel zu schaffen und besonders auch die Annäherung ihrer Meinungen an die unsrigen und die Abstände und die ewigen Abers. Nun bin ich fertig, lasse das Werk abschreiben und gleich sollen Sie es haben. Vielleicht lassen Sie es gleich im ganzen drucken und bringen Ihre Noten auch in ein Ganzes. Doch darüber wird der Genius und der Augenblick entscheiden. Schreiben Sie mir doch! Wenn Ihr Brief micht nicht antreffen sollte, wie ich doch vermute, so wir er mir nachgeschickt. Nun denke ich mich gleich an den Roman zu machen, denn wenn ich mich hier nicht vorsätzlich zerstreuen will, so bin ich einsamer und ruhiger zu Hause.

Leben Sie recht wohl. Vielleicht sehe ich Sie eher wieder, als wir glaubten.

G.

H – | S 108 | B 108

Zitiert nach S.