676. An Goethe
Jena, den 30. Oktober 1799
Ich ergreife die Gelegenheit die ich eben erhalte, nach Weimar zu schreiben, Ihnen wissen zu lassen, daß nach Starkens Urtheil meine Frau jetzt außer Gefahr ist, das Fieber fast ganz aufgehört hat, aber leider die Besinnung noch nicht da ist, vielmehr heftige Accesse von Verrückung des Gehirns öfters eintreten. Indessen auch darüber beruhigt uns der Arzt, aber Sie können denken, daß wir uns in einem traurigen Zustand befinden. Ich habe mich bis jetzt noch erträglich gehalten, aber heute nach der vierten Nacht, die ich binnen sieben Tagen durchwacht habe, finde ich mich doch sehr angegriffen.
Leben Sie recht wohl, und geben Sie mir auch wieder einmal Nachricht von ich.
Sch.