662. An Goethe

Jena, den 28. August 1799

Charlotte Kalb hat nun auch geschrieben und erklärt, daß das Quartier zu unserer Disposition sey, wenn wir in ihren Contract treten wollten. Sie hat Scherern noch nichts zugesagt.

Leider kann ich wegen Zahnweh und geschwollenen Backen nicht sogleich hinüber kommen, dieß hat indessen des Quartiers wegen nichts auf sich. Meine Frau hat das ganze Quartier schon einmal gemustert, und die vordern Zimmer des Herrn und der Dame kenne ich auch. Die Einrichtung ist ganz nach unserm Bedürfniß, und ich nehme keinen Anstand gleich zuzusagen. Wollen Sie also die Gütigkeit haben und Müllern sagen, daß er nur den Contract aufsetzt. Wenn er nur auf zwei Jahre geht, ist es mir freilich lieber als auf längere Zeit; doch ein Jahr auf oder ab macht nichts, da das Quartier immer Liebhaber finden wird. Übrigens setze ich voraus, daß die Miethe bleibt wie bei der Frau von Kalb, 122 Reichsthaler, den Laubthaler à 1 Reichsthaler 14 Groschen.

Wenn ich alsdann hinüber komme, so werden Sie mir erlauben Ihnen meine Wünsche und Calculus in Absicht dieser neune Einrichtung vorzutragen.

Meine Zahnübel sollte mich nicht abhalten, gleich morgen zu kommen, wenn es nicht unglücklicherweise beim Sprechen und Lesen zunähme, denn sonst ist es wohl zu ertragen.

Ich bin recht verlangend auf das was Sie mir zu zeigen und zu sagen haben, und überhaupt sehne ich mich herzlich nach dieser so lang entbehrten Communication.

Die Frau wird sich nicht abhalten lassen mitzukommen. Ich nehme die Erlaubniß bei Ihnen zu logiren mit großem Vergnügen an, und wenn es irgend möglich komme ich auf den Sonnabends.

Leben Sie recht wohl.

Sch.

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