497. An Schiller
Weimar, den 25. Juli 1798
Mit Ihrer Ausgleichung der Differenz zwischen Meyer und mir bin ich sehr wohl zufrieden. Sie erlauben daß ich gelegentlich, wenn ich an diese Materie komme, mich Ihrer Worte bescheidentlich bediene.
Heute geht endlich der erste Transport an Cotta ab. Gern hätte ich das Manuscript Ihnen nochmals zugesendet, indessen ist es mit Meyern, als wie in Ihrer Gegenwart, nochmals durchgegangen worden. Das wenige was über plastische und architektonische Reste der Etrurier gesagt werden kann, werden Sie etwa Sonnabends erhalten. Das ganze erste Stück wird in kurzem beisammen seyn und die andern werden sogleich fertig, indem das fertige einen productiven Einfluß auf das folgende zeigt.
Des schon bearbeiteten Stoffs liegt eine große Masse bereit und der zu bearbeitende ist unendlich.
Der Titel Sängerwürde übertrifft an Vortrefflichkeit alle meine Hoffnungen. Möge ich das edle Werk doch bald gedruckt sehen. Ich habe niemanden weiter etwas davon gesagt.
Ritters Vortrag ist freilich dunkel und für den der sich von der Sache unterrichten will nicht angenehm. Er befindet sich gegenwärtig in Belvedere bei Scherer und ich habe nun doppelte Ursache auf den ganzen Kreis der Versuche Acht zu geben, da mein Zweck dabei sein muß, Sie bequemer damit bekannt zu machen.
Das Schlegel’sche Ingrediens in seiner ganzen Individualität scheint mir denn doch in der Olla potrida unsers deutschen Journalwesens nicht zu verachten. Diese allgemeine Nichtigkeit, Parteisucht für’s äußerst Mittelmäßige, diese Augendienerei, die Katzenbuckelgebärden, diese Leerheit und Lahmheit in der die wenigen guten Producte sich verlieren, hat an einem solchen Wespenneste, wie die Fragmente sind, einen fürchterlichen Gegner. Auch ist Freund Ubique, der das erste Exemplar erhielt, schon geschäftig herumgegangen, um durch einzelne vorgelesene Stellen das Ganze zu discreditiren. Bei allem was Ihnen daran mit Recht mißfällt kannn man denn doch den Verfassern einen gewissen Ernst, eine gewisse Tiefe und von der andern Seite Liberalität nicht abläugnen. Ein Dutzend solcher Stücke wird zeigen wie reich und perfectibel sie sind.
Wilhelm schickt mir beiliegendes Gedicht für den Almanach, welches ich aber keinesweges empfehlen, ja nicht einmal vertheidigen will. An der Legende selbst ist schon nicht viel: denn daß ein Sultan ein Mädchen verschenkt, will wohl nichts heißen. Ferner sind dem Gegenstande nicht einmal die artigen Motive, die man daraus herleiten könnte, abgewonnen. der Vortrag ist nicht durchsichtig und klar und was sich sonst noch zu Ungunsten der Arbeit sagen ließe. Genau besehen ist’s wieder ein Pygmalion, wobei sich das falsche Streben abermals zeigt, die Angelegenheiten der bildenden Kunst poetisch zu behandeln. Ich will einige freundliche Einwendungen dagegen machen und ihm rathen nochmals Hand daran zu legen, dadurch wird wenigstens interloquirt.
Leider hat er auch ein Gedicht auf die Huldigung des Königs drucken lassen, welches keineswegs glücklich ist, mir aber doch gestern zu einem humoristischen Gespräch Gelegenheit gab, worin ich es gegen jene Partei vertheidigte, welche durch den gestiefelten Kater gekrallt worden.
Die anaglyphischen Versuche rücken recht schön zu. Ein Kauz auf einer Leyer, der die Rückseite des Almanachs zieren soll, wird von Freund Meyer nach der Natur gezeichnet und sorgfältig nachgebildet werden, um zu zeigen was man auch in diesem Fache sich von der neuen Manier versprechen könne.
Leben Sie recht wohl. Empfehlen Sie mich den Ihrigen. Alle Tage erliege ich schier der Versuchung wieder zu Ihnen zu kommen, doch der strömende Lauf unserer kleinen Unternehmungen hält mich jedesmal ab. In vierzehn Tagen soll das innere Gerippe unserer neuen Theatereinrichtung schon stehen; die cannelirten Säulen sind unter der Condition verdingt daß sie den 7ten August zur Stelle geliefert werden, und was der Späße mehr sind. Thouret und Heidlof malten am Vorhange. Schaffen Sie uns nur noch jetzt den Wallenstein zur Stelle.
Nochmals ein Lebewohl.
G.