134. An Schiller
Weimar, 23. Dezember 1795
Mit Verlangen warte ich auf’s neue Jahr und suche mancherlei kleine Geschäfte abzuthun, um Sie wieder auf einige Zeit mit Freiheit besuchen zu können. Ich wünsche nur, daß ich Sie wohl und poetisch thätig antreffen möge, denn es ist das nun einmal der beste Zustand den Gott den Menschen hat gönnen wollen. Mein Roman ruht nun nicht bis er sich fertig macht, worüber ich sehr vergnügt bin, denn mitten unter allen Zerstreuungen treibt er sein Wesen immer fort.
Ich habe sonst noch manches mitzutheilen. Hier liegt z. B. eine Erklärung der dramatischen Personen des Mährchens bei, von Freundin Charlotte. Schicken Sie mir doch geschwind eine andere Erklärung dagegen die ich ihr mittheilen könnte.
Den Einfall auf alle Zeitschriften Epigramme, jedes in einem einzigen Disticho, zu machen, wie die Xenia des Martials sind, der mir dieser Tage zugekommen ist, müssen wir cultiviren und eine solche Sammlung in Ihren Musenalmanach des nächsten Jahres bringen. Wir müssen nur viele machen und die besten aussuchen. Hier ein Paar zur Probe.
Daß Cotta über die Subscription der Horen nicht herauswill, gefällt mir nicht ganz, wo ich hin höre spricht man von vermehrter Subscription. Wird sich denn dieser edle Sofias mit seinem Gold und Silber auf das Fest Epiphaniä einfinden? Weihrauch und Myrrhen wollen wir ihm erlassen.
Des P. Castels Schrift Optique des Couleurs 1740 habe ich in diesen Tagen erhalten; der lebhafte Franzos macht mich recht glücklich. Ich kann künftig ganze Stellen daraus drucken lassen, und der Heerde zeigen, daß das wahre Verhältniß der Sache schon 1739 in Frankreich öffentlich bekannt gewesen, aber auch damals unterdrückt worden ist.
Ich habe noch geschwind einige Varianten zur Erklärung gesetzt; wenn Sie auch noch die Summe vermehren, so wird eine Verwirrung ohne Ende aus diesen Erklärungen zu hoffen seyn
Die Xenia nächstens.
G.
NB. Die roth unterstrichnen sind meine Varianten.