547. An Schiller

Weimar, den 7. November 1798

Ihren Brief, mein Werthester, habe ich leider erst gestern Abend gefunden, als ich von Roßla zurückkam. Professor Meyer wird das mögliche thun, Ihnen die Abdrücke bald zu schaffen.

Ich gratulire zum Einzug in die Stadt. Die Nachbarschaft gibt denn doch, besonders den Winter, eine lebhaftere und bequemere Communication.

Schröders Antwort ist, wie es scheint, Ihnen sonderbarer vorgekommen als mir. Bei meinem radicalen Unglauben an die Menschen kommt mir so etwas ganz natürlich vor.

Eben so möchte ich auch wegen der Aufnahme des Almanachs sagen: wer nicht, wie jener unvernünftige Sämann im Evangelio, den Samen umherwerfen mag ohne zu fragen was davon und wo es aufgeht, der muß sich mit dem Publico gar nicht abgeben.

Ich wünsche guten Fortgang des Wallensteinischen Gedichtes. Was mich betrifft so komme ich dießmal mit dem festen Vorsatz zu Ihnen, mir das Farbenwesen, es koste was es wolle, vom Halse zu schaffen. Ich habe es diese letzten Tage einmal ganz wieder überdacht und die Darstellung meiner Ansichten scheint mir immer möglicher zu werden.

Leben Sie recht wohl und grüßen Ihre liebe Frau; ich werde nun nicht lange mehr außen bleiben.

G.

H 176 | S 175 | B 176