940. An Goethe

Weimar, den 9. November 1803

Da ich weder von Ihnen etwas sehe noch höre, so muß ich doch nach den Zuständen fragen. Von einigen jenaischen Freunden, die indes hier waren, habe ich erfahren, daß man Sie nicht sieht, welches ein ganz gutes Zeichen ist, daß Sie einen besseren Umgang haben. Ich bin hier auch fleißig, weil ichmich durch gar nichts zerstreue und selbst keine Komödie besuche. Wenn ich in dieser Wärme bleibe, so kann ich doch gegen den März fertig werden.

Paulus hat von Würzburg keien besondern Erwartungen, welches wohl zu glauben ist. Aber von den jenaischen Zuständen höre ich Gutes, die Zahl scheint sich noch nicht auf eine merkliche Art vermindert zu haben. Die Philosophie vestummt nicht ganz, und unser Dr. Hegel soll viel Zuhörer bekommen haben, die selbst mit seinem Vortrag nicht unzufrieden. Ohne Zweifel haben Sie in Jena davon gehört, daß bei den Studenten ein großes Verlangen sich zeigt den Ritter zu hören. Man sagte mir, daß die Studenten bei dem Herzog bittlich darum einkommen wollen, ihn zum Professor zu machen. Es möchte wohl gut sein, ihn fest zu halten, weil er doch einen Ruf hat und bei der allgemeinen Bewegung auch könnte weggeführt werden. Da Gotha sehr für ihn ist ,wo würde dies nicht nur keine Schwierigkeit haben, sondern vielleicht noch bei Gotha dazu dienen können, den Niethammer zur Gefälligkeit auch anzunehmen.

Die Herzogin Mutter wünschte gar sehr den Grafen Brühl, der morgen hieher kommt und nur bis auf den Dienstag bleibt, mit den Brüdern zu regalieren, weil er ein Stück mit Masken sehen will, sie hat mir ihr Verlangen sehr nah gelegt, und ich will es Ihnen also auch empfehlen. Wenn es irgend möglich, so lassen Sie doch den Montag die Brüder spielen, es kann ja noch ein ander kleines Stück damit verbunden werden.

Herzlich grüße ich Sie und bitte mir bald ein Lebenszeichen zu geben.

Sch.

Nicht bei H, zitiert nach S

H – | S 929 | B 934