816. An Schiller

Weimar, den 21. März 1801

Ich vermuthete daß ich Ihnen durch die Rittergeschichte einiges Vergnügen machen würde, sie ist sehr artig und unterhaltend und dabei ein rechtes Muster von modernem Auffassen und Behandeln älterer Zustände.

Mit Hartmann werden wir, ob er gleich schon zwei Zeichnungen gemacht hat, über den Admet nicht einig werden, weil er in einem Bilde, das ganz symbolisch seyn müßte, die Begebenheit natürlich darstellt. Es ist hier eine Kluft befestigt, die nur durch Offenbarung zu überspringen ist. Wir glaubten uns so deutlich darüber gegen ihn ausgedrückt zu haben, allein aus seiner Production sieht man daß er nicht weiß was wir wollen. Es gehört freilich eine völlige Sinnesänderung dazu, und wer weiß ob er bei seinem schönen Talente unter die Berufenen gehört. Professor Meyer hat mir versprochen, wenn Hartmann fort ist, eine Zeichnung in unserm Sinne zu machen, aber nur für unsern stillen Gebrauch.

Ich denke bei gutem und schlimmen Wetter an Sie. Hätte ich voraus sehen können daß der Herzog so lange außen bleibt (er kommt erst den 27sten), so hätte ich Sie auf einige Tage besucht; mit nächstem Boten schicke ich wieder einiges zu lesen.

Den üblen Eindruck, welchen das Greifenpaar auf Sie machen würde, habe ich vorausgesehen. Das allegorische Drama habe ich diesen Morgen wieder gelesen; was mir besonders auffiel ist die Bitterkeit und die Trauer in Einem Product. Ich möchte nicht in der Haut des Verfassers stecken.

Zu Ihren Arbeiten wünsche ich viel Glück und freue mich auf die Zeiten wenn wir wieder zusammen seyn werden. Faust hat noch keinen völligen Stillstand erlitten.

G.

H 806 | S 806 | B 808