543. An Goethe

Jena, den 30. Oktober 1798

Wir sind noch immer im Garten, wo wir uns des ungewöhnlich schönen Wetters noch recht erfreuen, und vergessen daß es auf lange Zeit von uns Abschied nimmt. Mit Furcht sehe ich aber den November herankommen, wo ich so viel zu leisten, und einen so unfreundlichen Himmel zu erwarten habe. Das Geschäft rückte unterdessen weiter, aber nicht so schnell, als Sie vielleicht denken. Doch hoffe ich Ihnen, wenn Sie kommen, die zwei ersten Acte ganz fertig, und in einigen Tagen darauf auch die zwei letzten vorzulegen.

Ich habe mit großem Vergnügen unterdessen in den Propyläen gelesen, wo ich mich auf’s neue an den klar und bestimmt herausgesprochenen Wahrheiten und Kunstorakeln erbauet habe. Es ist mir, als wenn sie mir noch nie so nahe gerückt, so klar entgegen gekommen wären. Sie werden zwar wenigen zu gute kommen, aber es ist nur gut, daß Sie veranlaßt worden sind, damit herauszugehen. Es wird merkwürdig seyn, wie mancher, der doch auch zu Ihrer Confession zu gehören glaubt, diese hohen Ideen seinen kleinlichen Begriffen accomodiren wird.

Daß Schröder sein Kommen so gar ungewiß macht und so weit hinausschiebt, nimmt mich doch Wunder. Ich wäre begierig seinen Brief zu sehen, wenn Sie ihn mittheilen wollen. Indessen soll mir dieser Umstand etwas mehr Freiheit gegen ihn im Verlauf des Wallensteins verschaffen, wenn ich es vielleicht nicht gar überhoben seyn kann mit ihm selbst zu tractiren, da er die Direction des Theaters, so viel ich weiß, an vier oder fünf Schauspieler verkauft hat.

Von Iffland habe noch keine Antwort.

Die Rechnungen sind an Cotta geschickt. Er hat mir auch ein gutes Exemplar der Propyläen gesendet, so daß Sie mir keins zu schicken brauchen.

Leben Sie recht wohl. Mir ist der Kopf von meinem Tagewerk nicht zum besten zugerichtet.

Meine Frau grüßt auf’s schönste.

Sch.

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