999. Schiller an Goethe

[Weimar,] Den 14. Januar 1805]

Es thut mir recht leid zu hören, daß Ihr zu Hausebleiben kein freiwilliges ist. Leider geht’s uns allen schlecht, und der ist noch am besten dran, der durch die Noth gezwungen sich mit dem Krankseyn nach und nach vertragen lernen. Ich bin jetzt recht froh, daß ich den Entschluß gefaßt und ausgeführt habe, mich mit einer Übersetzung zu beschäftigen. So ist doch aus diesen Tagen des Elends wenigstens etwas entsprungen, und ich habe indessen doch gelebt und gehandelt. Nun werde ich die nächsten acht Tage dran wagen, ob ich mich zu meinem Demetrius in die gehörige Stimmung setzen kann, woran ich freilich zweifle. Gelingt es nicht, so werde ich eine neue halb mechanische Arbeit hervorsuchen müssen.

Ich schicke Ihnen hier was abgeschrieben ist. Morgen wird mein Rudolph mit dem Ganzen fertig seyn.

Möchten Sie diese ersten Bogen durchsehen, hie und da mit dem Original zusammen halten, und was Ihnen etwa darin auffällt, mit dem Bleistift bemerken. Ich möchte gern bald möglichst, und ehe die Rollen ausgeschrieben werden, damit in Ordnung seyn.

Wenn übermorgen an den Rollen angefangen wird, so kann auf den nächsten Sonntag Leseprobe seyn, und von da sind es noch zehen Tage bis zum dreißigsten.

Der Herzog erlaubt mir die Memoiren von Marmontel zu lesen, die Sie jetzt haben. Ich bitte also darum, wenn Sie damit fertig sind.

Die Großfürstin erzählte gestern noch mit großem Interesse von Ihrer neulichen Vorlesung. Sie freut sich darauf, noch manches von Ihnen zu sehen und auch zu hören.

Leben Sie recht wohl und lassen mich auch bald etwas hören.

Sollten Sie in keiner Stimmung seyn, die Bogen durchlesen, so bitte sie mir retour zu schicken, daß ich die Zeit zum Abschreiben benutzen lassen kann.

Sch.

H 977 | S 989 | B 992