632. An Schiller
Weimar, den 9. Juli 1799
Leider muß ich durch dieses Blatt anzeigen daß ich noch nicht kommen kann. Durchlaucht der Herzog glauben, daß meine Gegenwart bei’m Schloßbau nützlich seyn könne, und ich habe diesen Glauben, auch ohne eigne Überzeugung, zu verehren. Daneben gibt es denn freilich so mancherlei zu thun und zu besorgen, daß die Zeit, wo nicht angewendet, doch wenigstens verwendet werden kann. Ich trinke meine Portion Pyrmonter Brunnen und thue übrigens was so vorkommt. Möge Ihnen die Muse günstiger seyn, damit ich, wenn ich früher oder später komme, Ihre Arbeit brav vorgerückt finde. Lassen Sie mich bald von sich hören, damit ich angefrischt werde mich wenigstens schriftlich mit Ihnen zu unterhalten, wozu ich heute weder Sitz noch Stimmung finde. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau.
G.